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Sichtbarkeit beginnt nicht im Außen, sondern in dir

  • 3. Juli
  • 6 Min. Lesezeit

Du sitzt da und spürst es. Dieses Mal ist es anders. Jede Faser in dir sagt: jetzt. Du bist dir sicher. In deiner Entscheidung, in deinen Worten, in deinem nächsten Schritt.

Vielleicht kennst du das. Der Moment, in dem du innerlich weißt: jetzt ist der Zeitpunkt. Für dich. Für deine Beziehung. Für dein Business. Alle Zeichen stehen für dich. Und genau dann kommen sie. Die Zweifel. Ich kenne diese Zweifel zu gut.

Wenn ich auf die einzelnen Phasen meines Lebens schaue, erkenne ich Muster. Muster, die uns immer wieder ins Wanken bringen. Ohne dass sie uns direkt bewusst sind. Vieles von dem, wie wir denken und handeln, ist das Ergebnis dessen, was uns von außen mitgegeben wurde. Wir funktionieren. Wir passen uns an, um nicht anzuecken. Wir folgen, ohne nachzudenken.

Und wenn du jetzt denkst: „Ich weiß doch, wie wichtig eine eigene Meinung ist“ dann gebe ich dir recht. Es ist einfach. Bis zu dem Moment, in dem du dich wahrhaftig mit dir selbst befassen musst.


Warum Sichtbarkeit für mich eine andere Bedeutung hat

In dem Moment, in dem das „Jetzt gehe ich los“ Raum nimmt, beginnt gleichzeitig die Reise mit deinem inneren Kritiker. Kurz bevor du dein Ziel erreichst, kommen die Blockaden. Die lauten Zweifel.

„Bin ich es wert?“

„Was denken die anderen?“

„Bin ich zu laut?“

„Erst wenn ich diese Ausbildung habe, dann kann ich losgehen.“

Statt diese Gedanken als das zu erkennen, was sie sind, Muster, Zweifel, suchen wir den Gegenspieler im Außen. Die Umstände. Der falsche Einfluss. Zu wenig Zeit. Andere Gründe, warum es genau bei uns nicht funktioniert.


Ich war Meisterin der Ausreden

Mein Muster war klar. Immer wenn es konkret wurde, war mein innerer Kritiker schon da – auf der Suche nach einem Grund im Außen. Es lag an meiner Kindheit. Es lag an der Anspannung, die ich nicht ansehen wollte.

Ich hatte mich selbstständig gemacht. Viel Geld in mich investiert. Persönlichkeitscoachings, Ausbildungen, Programme – über 130.000 Euro insgesamt, wenn ich heute zurückrechne. Und trotzdem: Immer war etwas im Außen schuld. Das Programm hat nicht funktioniert. Die Methode passt nicht zu mir. Der Markt ist falsch.

Es waren dieselben Stimmen, die ich schon aus meiner Kindheit kannte. Nur in neuen Kleidern.


Der Moment, der alles verändert hat

Vor zwei Jahren, mitten in einer intensiven Jahresbegleitung, kam dieser eine Moment. Ich saß da. Umgeben von allem, was ich mir aufgebaut hatte an Wissen, an Methoden, an Investitionen und sah mich selbst. Vielleicht zum ersten Mal wirklich.

Es war kein lauter Moment. Keine Erleuchtung mit Pauken und Trompeten. Es war eher eine Stille, in der mir klar wurde: All die Programme, all die Ausbildungen, all das Wissen – sie konnten nicht greifen, solange das Fundament fehlte. Solange ich mir selbst nicht erlaubte, gesehen zu werden.

Ich hatte mich jahrelang hinter Wissen versteckt. Wissen fühlte sich sicher an. Wissen konnte mir niemand wegnehmen. Wenn ich genug wusste, konnte ich niemanden enttäuschen – auch mich selbst nicht. Aber genau das war die Falle. Ich sammelte Zertifikate, statt mir selbst zu vertrauen. Ich suchte die nächste Methode, statt mich zu fragen, was ich eigentlich wirklich brauchte.

In diesem Moment der Jahresbegleitung wurde mir ein Satz zum Anker, der bis heute mein Leben trägt: Innere Sichtbarkeit zuerst. Erst wer sich selbst sieht, kann von anderen gesehen werden.

Das war kein spiritueller Spruch für mich. Das war eine Wahrheit, die ich mit Schmerz erkauft hatte. Ich verstand: Das, woran ich selbst so lange gescheitert war, die Erlaubnis, mich zu zeigen, der Durchbruch durch alte Stimmen, das Erschaffen eines Lebens auf meinen eigenen Bedingungen, genau das war der Punkt, an dem ich ansetzen musste. Nicht bei noch mehr Strategie. Nicht bei noch einer Methode. Sondern bei mir.

Ich erinnere mich noch genau an das Gefühl danach. Es war keine Erleichterung im Sinne von „jetzt ist alles gut“. Es war eher eine Art Ernsthaftigkeit. Ein Wissen: Jetzt muss ich hinsehen. Es gibt keinen Umweg mehr.


Was ich begonnen habe zu fragen

Ab diesem Moment habe ich angefangen, anders hinzuhören. Bei jedem „Nein, das geht nicht“, bei jedem Zweifel, der hochkam, habe ich mir drei Fragen gestellt:


  • Woher kommt es?

  • Welches Gefühl löst es aus?

  • Warum kommt es genau in diesem Moment?


Am Anfang war das nicht leicht. Es war ein ständiges Erinnern daran, dass ich nicht mit Pech gesegnet war, sondern mit Dankbarkeit. Jeder Zweifel, der hochkam, war eine Einladung: hinzugucken, statt wegzulaufen.

Ich begann zu verstehen, dass meine Zweifel nicht zufällig waren. Sie hatten eine Geschichte. Eine Stimme, die mir früh gesagt hatte, dass meine Träume zu groß sind, meine Wege zu ungewöhnlich, meine Wünsche nach Leichtigkeit nicht berechtigt. Diese Sätze waren längst keine Erinnerungen mehr. Sie waren Überzeugungen geworden, die mich in fast jeder Entscheidung begleitet hatten.

Und ich begann zu verstehen: Solange ich diese alten Stimmen für die Wahrheit hielt, würde kein noch so gutes Programm mir helfen. Das Wissen war nie das Problem. Es war das Fundament darunter, das fehlte.


Der Blick im Rückspiegel

Mit der Zeit ist mir noch etwas aufgefallen. Immer dann, wenn wir Ausreden suchen, wenn wir nicht in die Umsetzung gehen, suchen wir in der Vergangenheit nach Geschehnissen. Wir fahren geradeaus und schauen dabei ständig in den Rückspiegel, auf der Suche nach Hindernissen, die dort liegen.

Aber das Hindernis liegt nicht hinter uns. Es liegt vor uns, im Moment, in dem wir losfahren müssten.

Würden wir uns stattdessen auf das konzentrieren, was uns gerade begegnet, während wir endlich losfahren und nicht auf das, was zurückliegt, oder auf das, was wir rechts und links beobachten können, ohne dass es uns wirklich betrifft, könnten wir so viel mehr erreichen.

Das ist mir selbst oft passiert. Ich habe in der Vergangenheit nach Erklärungen gesucht, warum etwas gerade nicht funktioniert. Ich habe nach links und rechts geschaut, zu anderen Frauen, anderen Wegen, anderen Methoden und dabei übersehen, dass die einzige Richtung, die zählt, geradeaus ist. In den Moment hinein. In das, was jetzt vor mir liegt.


Warum Sichtbarkeit nicht im Außen beginnt

In der Businesswelt ist Sichtbarkeit ein großes Wort. Du musst sichtbar sein, um gefunden zu werden, heißt es. Du brauchst Reichweite, Content, einen Plan.

Für mich hat Sichtbarkeit eine tiefere Bedeutung bekommen. Meine eigene Reise hat mir gezeigt: wahre Sichtbarkeit beginnt in dir. Erst wer sich selbst sieht, mit allem, was schön ist, und mit den Narben, die einen geprägt haben, kann wirklich gesehen werden. Im Wort sichtbar steckt das Wort ich. Wenn du reinfühlst, reinhörst und spürst, lernst du wirklich sichtbar zu sein.

Das bedeutet nicht, dass äußere Sichtbarkeit unwichtig ist. Aber sie kann nicht das Fundament sein. Sie ist das, was entsteht, wenn das Fundament trägt. Nicht umgekehrt.

Viele Frauen, die ich heute begleite, kennen genau dieses Muster. Sie wissen alles. Sie haben alles gemacht. Und trotzdem entscheiden sie nicht aus dem Bauch, sondern aus Angst, aus Perfektionismus, aus dem Kopf. Sie suchen die nächste Ausbildung, das nächste Zertifikat und merken nicht, dass das, was wirklich fehlt, kein weiteres Wissenspaket ist.


Geh in die Stille

Achtsamkeit ist eine der Grundregeln, um dich selbst wahrzunehmen. Je mehr du reflektierst, je mehr du in den Momenten des Zweifels in die Stille gehst, desto mehr findest du zu dir. Mal direkt in der Sekunde, in der der Zweifel aufkommt. Mal abends, wenn du den Tag beendest und endlich zur Ruhe kommst.

Schreib auf, wenn dich Selbstzweifel plagen. Schau später noch einmal hin. Jedes Erkennen deiner Muster ist ein Schritt dahin, dich selbst zu sehen.

Wir haben in unserer Kindheit oft verlernt, unseren Gefühlen Raum zu geben. Durch die Glaubenssätze, die uns geprägt haben, und all die Einflüsse von außen, haben wir verlernt, uns selbst zu sehen.

In allen Lebensbereichen ist diese wahre Sichtbarkeit jedoch das Fundament deines Seins. Sie lässt dich deine Zweifel erkennen. Sie erinnert dich an deinen Wert. Und daran, dass es okay ist, deine eigene Meinung zu haben, auch wenn sie nicht zu jeder Erwartung passt, die andere an dich haben.


Was bleibt

Ich bin heute nicht die Frau, die immer alles wusste. Ich bin die Frau, die den Weg gegangen ist. Mit Umwegen, mit Investitionen, die sich manchmal richtig und manchmal falsch angefühlt haben, mit Momenten, in denen ich einknicken wollte und trotzdem weitergegangen bin.

Was ich gelernt habe, ist nicht, dass die Zweifel irgendwann verschwinden. Sie kommen wieder. Aber ich habe gelernt, sie als das zu erkennen, was sie sind: keine Wahrheit über mich, sondern alte Stimmen, die einen Platz fordern, den sie nicht mehr verdient haben.

Losgehen. Denn das Ziel ist zweitrangig. Das, was wir werden auf der Reise, ist entscheidend.

Welche Stimme ist es bei dir, die kurz vor dem Ziel am lautesten wird und im Außen sucht, was eigentlich im Innen liegt?



Wenn du dich selbst erkennen und sehen willst, lass uns gerne in Kontakt treten:



Quelle Titelfoto: Justin Bockey

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